Oskar Kokoschka

Rache!

Oskar Kokoschka (* 1.3.1886 in Pöchlarn, Niederösterreich; † 22.2.1980 in Montreux, Schweiz) war ein österreichischer Maler, Grafiker und Schriftsteller des Expressionismus und der Wiener Moderne. Er studierte in Wien Kunst und war ab 1907 Mitarbeiter bei den „Wiener Werkstätten“. Er machte ausgedehnte Reisen nach Afrika, Nordamerika, Asien und durch Europa. Von 1934 bis 1938 war er in Prag im Exil, emigrierte dann nach London, wo er bis 1953 blieb. Erst 1975, viele Jahre nach seiner Rückkehr nach Österreich, nahm er die Staatsbürgerschaft wieder an.

Einmal hatte Kokoschka eine Auftragsarbeit: Er sollte eine ältere Dame porträtieren. Eine ganze Reihe Tage mußte die Dame stundenlang vor dem Meister stillsitzen. Doch dann war es soweit. Der Meister präsentierte der Dame sein Werk. Zufrieden meinte sie:
„Schön ist es geworden, Herr Kokoschka, sehr schön! Aber ich hätte gerne, daß Sie mir Ohrringe dazu malen. Natürlich gegen einen Aufpreis.“
Kokoschka protestierte:
„Aber gnädige Frau, Sie haben so schöne Ohren! Warum soll ich sie durch Ohrringe verdecken?“
Die Dame bestand darauf:
„Ich will Ohrringe!“
Kokoschka malte, wie ihm aufgetragen wurde, Ohrringe. Alsbald präsentierte er sein Werk erneut, und die Dame sagte:
„Sehr schön! Aber jetzt möcht‘ ich bitte noch ein schönes Perlencollier!“
Kokoschkas Widerstand war zwecklos und er malte der Dame den edlen Halsschmuck. Tage darauf betrachtete die Dame das Werk. Sie war hocherfreut und orderte nun auch noch ein Diadem, das der Künstler ihr aufs Haupt pinseln sollte.
Als die Dame das Porträt mit dieser Unmenge an ergänztem Schmuck sah, war sie sehr zufrieden und lächelte. Sie bezahlte das Bild und bezahlte auch für die Ergänzungen.
Daraufhin sprach sie Kokoschka an:
„Gestatten Sie mir die Frage, wozu wollten Sie all den Schmuck?“
Und die Dame erklärte:
„Das werde ich Ihnen erklären, Herr Kokoschka. Schauen Sie, ich bin nicht mehr die Jüngste. Und ich bin krank, sehr krank. Ich werde nicht mehr lange leben. Mein Mann hat eine junge Freundin. Kaum werde ich tot sein, wird er sie heiraten. Eines Tages wird sie sich das Bild ansehen, und ihre erste Frage wird sein: >Wo ist der Schuck?<
Sehen Sie, Herr Kokoschka, das ist der Grund, warum ich mir das alles hab malen lassen.“

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