Chats und ein Sessellift

(Sehr selektive) Zusammenfassung des Geschehens ohne Höflichkeiten

Ein Kommentar.

Sehr geehrte Damen und Herren, geschätzte Leserinnen und Leser!

Wir bleiben alle nicht unberührt und ungerührt von den Ereignissen, die uns dank der hohen Politik Österreichs Tag für Tag vor die Nase gesetzt werden.
Neben dem ganzen anderen Ablenkungsbeiwerk geht es vor allem wieder einmal um „die Chats“. Chats, Chats, Chats… Es grenzt an ein Wunder, daß Herr und Frau Österreicher nicht den halben Tag mit Wutgeschrei über die Inhalte der nun veröffentlichten Chats verbringen. Vernünftigerweise sollte es in unserem Land gerade sehr laut sein. Ist es aber nicht. Darum vorweg eine Klarstellung: Die „Chats“, damit sind nicht einzelne Individuen des Stammes der Chatten gemeint, die (nach mehrmaligen Lautverschiebungen) zu den Namensgebern des Bundeslandes Hessen wurden. Vielmehr ist „to chat“ das englische Wort für plaudern, sich zwanglos unterhalten, bei uns würde man auch „tratschen“ sagen. Insofern sollte es auch klar sein, daß dies, was hier in den Chats (hört sich wie „Tschäääz“ an) so zusammen getratscht wurde, besonders ekelhaft ist. Eben weil es so zwanglos, so locker passierte.

Sollten wir uns bereits so stark an offensichtliche Korruption, an den brutalen und respektlosen Tonfall über andere Parteien gewöhnt haben? Das wäre nicht gut, gar nicht gut. Allerdings ist es auch zu bezweifeln. Es gibt sicherlich Österreicher, die sich eine politische Partei ähnlich wie ihren Lieblingsfußballclub auswählen, und ihr dann auf ewig treu bleiben, ohne ein einziges Mal die politische Agenda oder die Leistungen zu hinterfragen. Das nennt man dann „Loyalität“. Inwiefern diese Loyalität für den Wähler bei einer politischen Meinungsfindung oder Entscheidung überhaupt angebracht ist, sei einmal dahingestellt.
Auf jeden Fall gibt es schon bald einen parlamentarischen Untersuchungsausschuß, bei dem die mutmaßlich korrupten Handlungen durch Damen und Herren der ÖVP durchleuchtet werden. Und es wird sicherlich spannend, welche Posten- und Auftragsvergaben im schwarz-türkisen Netzwerk überhaupt nachvollziehbar und wirklich sauber waren. Derzeit schaut es mehr als stark nach Sumpf aus.
Für die Grünen wird die Situation nun eher unangenehm. Einerseits wollen sie ihr schwer angeschlagenes Image als Sauber-Partei wieder etwas aufhübschen, andererseits müßten sie dann auch für die Auslieferung des ÖVP-Klubobmannes Wöginger an die Justiz stimmen und beim U-Ausschuß ihren Koalitionspartner aktiv in die Mangel nehmen.
Das wäre allerdings ein glatter Koalitionsbruch, und das wollen die Grünen nun auch nicht. Sie lieben es in der Regierung zu sein! Nicht nur, weil die Grünen dann gestalten können, was ohnehin schon Unfug ist, weil sie maximal als Verunstalter tätig sind, sondern weil sie in der selben Heftigkeit, mit der gleichen Unverfrorenheit, ihre Parteigänger in Posten hineinzwängen, wie sie es gleichzeitig mit erhobenen moralischen Zeigefinger allen anderen Parteien vorwerfen. Und man muß leider beobachten, daß sie dabei noch frecher sind, als andere Parteien.

Also rollt eine riesige Skandalbombe auf Österreich zu. Die kleinen Vorankündigungen zum Inhalt, die kleinen Einblicke in die wohl bald schon öffentlich gemachten Chats, würden im Normalfall schon ausreichen, um das Land zu erschüttern.
Eine Erschütterung des Landes ist aber nicht gewollt, eine Veröffentlichung der Vorgänge rund um Auftragsvergaben und Postenbesetzungen will die ÖVP tunlichst vermeiden, und auch die Grünen sollten in diesem Bereich die Füße ganz still halten. Also lenkt man wieder einmal ab.
Der Bundeskanzler ist bemüht, sich mit positiven Ergebnissen der olympischen Spiele in Verbindung zu bringen, lächelt viel (was sehr furchteinflößend ist) und fährt sicherheitshalber auf Schiurlaub nach Osttirol. Dort trifft er auf weitere ÖVP-Granden. Natürlich, schließlich handelt es sich ja um einen Familienurlaub.
Nun wird gemutmaßt, was diese Familie denn so dahin tratscht, und sich ausdenkt, um den aufkommenden Problemen zu entkommen. Und da will man sich vorstellen, wie sich ein Bundeskanzler Nehammer im Dreiersessellift mit der Verteidigungsministerin Tanner und der niederösterreichischen Landesmutti Mikl-Leitner über die ankommenden Bröseln unterhält. Hoffentlich ist es eine lange Liftfahrt, denn diese Themen brauchen Zeit. Viel Zeit! Ein Abdrehen und Sabotieren des U-Ausschusses durch den Vorsitzenden Sobotka wird schwer funktionieren. Die Optik ist schon so kaputt, daß man sich diese Frechheit kaum mehr leisten kann. Aber in Niederösterreich finden heuer Wahlen statt, und die Stimmung sieht nicht gut aus für die ÖVP. Und ein zeitgleich zum NÖ-Wahlkampf stattfindender U-Ausschuß wäre eine Katastrophe. Mit Olympia kann man ein wenig Zeit schinden und der Bundeskanzler kann sich neben jedem einzelnen Medaillengewinner nach der Rückkehr grinsend abbilden lassen. Das hält aber auch nicht lange genug an.
Der VfGH hängt wie ein Damoklesschwert über den vergangenen Corona-Entscheidungen und dem gerade beschlossenen Impfpflicht-Gesetz. Was kann man da nun tun.
Bleiben wir bei der Vorstellung, daß diese Gedankengänge während einer Dreiersesselliftfahrt gesponnen werden. Dieser Lift müßte sehr langsam und sehr lange sein, um alleine die Probleme aufzuzählen, geschweige denn Lösungen zu erdenken.

Aber die ÖVP wäre nicht die ÖVP, wenn sie nicht ruckzuck eine „Lösung“ aus dem Ärmel zaubern würde.
Die Lösung heißt: „Die Anderen sind schuld!“ Da dieses Konzept des Kopf aus der Schlinge ziehens aber schon ein wenig abgedroschen ist, vermittelt man es etwas subtiler und packt einen besseren Titel drauf: „Freedom Day“!
Nicht nur aus „roten Bundesländern“, wie Kärnten und dem Burgenland kommen Stimmen, die eine Aussetzung der Impfpflicht und Öffnung des Landes fordern, sondern auch aus immer mehr der ÖVP-geführten. Man kündigt bereits Gespräche mit Experten und Hinz und Kunz an. Ein Gipfel soll stattfinden und der Märzbeginn soll (angeblich) der „Freedom Day“, der Tag des Wegfalls von Coronamaßnahmen sein. Was dann wegfallen soll, wie weit das gehen wird, ist natürlich wieder einmal Spekulation. Aber wichtig ist, daß der grüne Minister Mückstein der Inhaber des Bummerls sein wird, der das Land samt Leuten einsperren und zwangsimpfen will, während die gnädigen Damen und Herren der ÖVP sooo gerne die Freiheit schenken würden.
Dieses Narrativ wird noch sehr interessant. Alleine das Getue, daß ein Kanzler oder Minister Freiheiten verschenken könnte, ist schon grotesk. Derzeit macht es immer mehr den Eindruck, als ob die Freiheiten ohne tatsächlichen Grund eingeschränkt worden wären, also gestohlen wurden. Diese Freiheiten nun zur Hehlerware zu machen und dann an die rechtmäßigen Eigentümer zurück zu verkaufen, ist ein starkes Stück!
Aber man wird sehen…




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