Ein potemkinsches Dorf?

(Sehr selektive) Zusammenfassung des Geschehens ohne Höflichkeiten

Ein Kommentar.
Und ein Leserbrief.


Gleich zu Beginn wollen wir klarstellen, daß die Geschichte von den potemkinschen Dörfern keine historischen Tatsachen darstellt. Die lange währende Wuchtel, der damalige russische Militärreformer Potemkin hätte dörfliche Häuserfassaden aufstellen lassen, um damit die Zarin Katharina zu beeindrucken und Fortschritte beim Aufbau einer Infrastruktur vorzugaukeln, ist erfunden. Historiker können durchatmen.
Aber wir nehmen die Legende der potemkinschen Dörfer und vergleichen sie mit dem, was man als erzähltes Gebäude den österreichischen Bürgerinnen und Bürgern vorsetzt.


Nicht erfunden sind die Wuchteln, mit denen wir uns heute befassen:
Zur ersten erhielten wir einen Leserbrief, dessen Inhalt wir Ihnen keinesfalls vorenthalten wollen.
Seit 1. Januar ist Michael Strugl Vorstandsvorsitzender des österreichischen Energiekonzerns Verbund AG. Zwei Jahre lang war er zuvor im Vorstand. Und zuvor war er ÖVP-Landesrat in Oberösterreich, Landesparteisekretär, Landesgeschäftsführer, Landtagsabgeordneter, Klubobmann, Pressesprecher… Ein Mann, der Parteipolitik von der Pike auf erlernte. – Nun stellt sich schon alleine deswegen die berechtigte Frage, was ihn dann befähigt, im Vorstand des Stromriesen tätig zu sein. Hier kann man natürlich seine Führungsqualitäten (zweifellos vorhanden) und seine Erfahrung auf dem politischen und wirtschaftlichen Parkett anführen. Daß ihn diese Erfahrungen nun auch noch zum Vorstandsvorsitzenden machen, kann man als gelernter Österreicher auch noch nachvollziehen. – Warum einen gestandenen Manager aus der Energiewirtschaft heranziehen, wenn man doch einen ehemaligen ÖVP-Landesrat zur Verfügung hat!
Und dieser frisch gebackene Vorstandsvorsitzende gab den OÖ Nachrichten ein Interview, das durchaus auch als bezahlter PR-Beitrag durchgehen könnte. Keine inhaltliche Tiefe, keine neuen Informationen. Eine Seite höflich oberflächliches Kaffeeplauscherl. Lustig wird das Interview in dem Moment, als man den ehemaligen ÖVP-Spitzenpolitiker zur politischen Einflußnahme in der teilverstaatlichten Verbund AG fragt. Aber hierzu der Leserbeitrag:
„Ist das Interview mit Verbund-Chef Strugl Lohnschreiberei oder Satire? Ein ehemaliger ÖVP- Landeshauptmannstellvertreter und ÖVP-Kronprinz wird zum Trost dafür, nicht Landeshauptmann geworden zu sein, mit einem Sitz im Verbund-Vorstand entschädigt und zwei Jahre später wird er Vorstandsvorsitzender. Und der eifrige OÖN-Redakteur fragt auch noch pflichtschuldigst nach politischem Einfluss im Verbund-Konzern… Was der soeben in den Chefsessel gehievte ÖVPler treuherzig versichert, nicht erkennen zu können… es wäre zum Lachen, wenn’s nicht so zum Kotzen wäre.
Auf der anderen Seite brennt die Republik und ist von Postenschacher der übelsten Sorte die Rede, wenn während der Regierungsbeteiligung einer anderen Partei einer deren Parteigänger in den Vorstand eines anderen staatsnahen Konzerns – dessen Vorstandsvorsitzende im Nebenjob auch noch ÖVP- Bundesparteiobmannstellvertreterin ist – entsandt werden soll…
Die ÖVP führt diese Republik wie einen Selbstbedienungsladen und die ach so „kritischen“ Medien ergehen sich in lobhudelnder Lohnschreiberei nach dem Motto: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing!
Es ist aber nicht das Geld der ÖVP, es ist das Steuergeld aller Österreicher, das die ÖVP da zur Hofberichterstattung huldvoll verteilt. Wird Zeit, dass der mündige Stimmbürger und Steuerzahler das endlich erkennt!“

Geschätzte Leserinnen und Leser, bitte machen Sie sich doch Ihre eigenen Gedanken zu diesem Vorgang.
Nach seiner Aussage attestieren wir dem Herrn Vorstandsvorsitzenden ein gewisses komödiantisches Talent. Oder ist er einfach nur rotzfrech?


Die nächste Wuchtel hat ihre Wurzeln im Jahr 2006.
Die politisch interessierten Leserinnen und Leser werden schon kombinieren: Es geht um Bundesministerin Aschbachers Glück und Ende.
Damals schloß die nunmehr zurückgetretene Bundesministerin ihr Studium an der FH Wiener Neustadt als Mag.a (FH) ab. Ab 2011 studierte die Dame an der Technischen Universität Pressburg/Bratislava/Pozsony „Industrial Engineering and Management“, was sie 2020 mit dem Doktorgrad beendete.
Die Dame geriet nun ins Visier des bekannten „Plagiatjägers“ Stefan Weber, der einige „Ungereimtheiten“ ans Licht der Öffentlichkeit beförderte. Seiner Argumentation folgend wird die nunmehr ehemalige Bundesministerin wohl oder übel beide akademischen Grade wieder ablegen müssen.
Uns liegt es fern, den Wert Frau Aschbachers Arbeiten bei der FH Wiener Neustadt und der TU Pressburg zu bewerten. Nach einem Jahr schwarz-/türkis-grüner Regierungsarbeit fallen dem aufmerksamen Österreicher ganz andere Dinge ein, die einen Rücktritt veranlassen sollten.
Jedoch wollen wir es dem Leser nicht vorenthalten, sich selbst anhand einer Textpassage und deren englischen Originals eine Meinung zu bilden:

„Vielleicht, daher ist es seltsam, dass, wenn es irgendeine eine Phrase, die garantiert wird, um mich auf den Weg, es ist, wenn jemand zu mir sagt: ‚Okay, fein. Du bist der Chef!'“, Sagt Branson. „Was mich ärgert ist, dass in 90 Prozent der Fälle, wie, was diese Person wirklich sagen will, ist: ‚Okay, dann, glaube ich nicht mit Ihnen einverstanden, aber ich werde rollen und tun es weil sie sagen mir zu. Aber wenn es nicht klappt werde ich der Erste sein, der daran erinnern, dass es nicht meine Idee.“
(Aus der 2020 eingereichten Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades.)

„Perhaps, therefore, it is odd that if there is any one phrase that is guaranteed to set me off it’s when someone says to me, ‚OK, fine. You’re the boss!‘ What irks me is that in 90% of such instances what that person is really saying is, ‚OK, then, I don’t agree with you, but I’ll roll over and do it because you’re telling me to. But if it doesn’t work out I’ll be the first to remind everyone that it wasn’t my idea.“
(Der Originaltext, dessen „interessante“ Übersetzung Einzug in Aschbachers Arbeit fand.)

Auch hier lassen wir den Text unkommentiert und bitten unsere Leserinnen und Leser, sich doch selbst ein Bild zu machen.

Eines scheint nach langjähriger Erfahrung für den „gelernten Österreicher“ auf jeden Fall festzustehen: Für ehemalige ÖVP-Politiker gibt es keinen harten Fall nach der Polit-Laufbahn. Man fällt finanziell gut versorgt, sehr weich. Auch um die sich vorverurteilt fühlende Frau Aschbacher wird man sich keine Sorgen machen müssen.

Selbst die maskierte Bundesministerin Raab wirkt irritiert, wenn Kanzler Kurz dirigiert.


Der oft erweckte Eindruck, daß sich die ÖVP ungeniert in Österreich aufführt, als ob ihnen die Republik gehöre, scheint sich immer wieder zu bestätigen. Doch um dem Ganzen einen netten Anstrich zu geben, baute man die Fassade einer hippen Regierung mit modernen Machern auf. Allerdings scheint sich kein einziger Macher (zum Wohle der österreichischen Bürger) hervorzutun. Das Einhalten gültigen Rechts, scheint den Damen und Herren der Bundesregierung eine unüberwindbare Hürde zu sein. Und so ignorieren sie einfach die Verfassung. – Der grüne Anteil der Regierung sei hier vom Vorwurf keinesfalls befreit! Was Anschober, Kogler und ihre Spießgesell*innen abliefern, ist um nichts besser. Im Gegenteil!
Wirklich gefährlich wird das nun wiederholt angewandte Narrativ, daß es sich bei Regierungskritikern und -gegnern um Staatsfeinde handle. Wieder ist das Gegenteil der Fall!
Freiheit, Sicherheit, wirtschaftliches Fortkommen und Gesundheit stehen am Spiel, während man sich von Seiten der Regierungsparteien scheinbar ungeniert eine neue Gesellschaftsordnung, ein neues Staats- und Herrschaftsmodell einzurichten versucht.
Mit dem Vorwand, ja der faulen Ausrede, Gesundheit zu schützen, werden Freiheit, wirtschaftliche und soziale Sicherheit zu Grabe getragen. Mit der grotesken Formel, man müsse sich zwischen Freiheit und Gesundheit entscheiden, werden die Menschen in eine Angstspirale getrieben, in der sie Verbote und Befehle (als „Beschränkungen“ und „Empfehlungen“ getarnt) hinnehmen, die sie noch vor 12 Monaten niemals akzeptiert hätten.

Gesundheit und Sicherheit kann es nur MIT Freiheit geben!

Geschätzte Leserinnen und Leser, die Fassade dieser gefährlich inkompetenten Bundesregierung bröckelt. Nehmen Sie getrost Ihr in der österreichischen Verfassung verbrieftes Recht wahr, auf jede legale Form zu protestieren, wenn Sie sich und Ihre Rechte bedroht und beschnitten sehen.


Wir wünschen Ihnen noch einen angenehmen Sonntag!
Bleiben Sie uns gewogen!
Unterstützen Sie die heimische Wirtschaft!





Fotos:
Christine Aschbacher © Bundeskanzleramt / BM für Finanzen / cc by 2.0
Sebastian Kurz © Parlamentsdirektion / Thomas Jantzen

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