addENDum?

Ein Nach- und Weckruf mit Beispielen!

Gestern wurde bekannt, daß die Rechercheplattform ADDENDUM seine Tätigkeit einstellt. ADDENDUM wurde 2017 durch die Quo vadis veritas Privatstiftung, vom erfolgreichen Unternehmer Dieter Mateschitz finanziert, ins Leben gerufen. Das Anliegen und die Ziele war von Anfang an sehr hoch gesteckt: Recherche, Fakten, Aufdecken.
Und das tat diese Plattform in einer Form, wie sie das Land schon lange nicht mehr gesehen hat. Trocken, unaufgeregt und detailverliebt. So wurde bspw. die Weitergabe von Kundendaten durch die Post aufgedeckt, oder das Abstimmverhalten der Nationalratsabgeordneten dokumentiert. All dies nicht immer zur Freude derer, die ihre „Geschichten“ lieber nicht im Lichte der Öffentlichkeit sahen. Das wohl bekannteste Gesicht von ADDENDUM war und ist Michael Fleischhacker, ein hervorragender Journalist, der seinen Beruf noch als das ausübt, was er sein soll, ohne als Nebenerwerbspädagoge seine Leser erziehen zu wollen.


Michael Fleischacker (li), das Gesicht von ADDENDUM. Portrait von Dieter Matschitz (re).

Geschmacklos sind einzelne Wortspenden zum Ende von ADDENDUM. Es ist nun offensichtlich geworden, daß die Aufdeckarbeit gerade den Kollegen ein Dorn im Auge war, die jede Qualität, jedes Engagement, jedes Bemühen um eine objektive Darstellung von Sachverhalten vermissen ließen. Man warf vorgespielte Objektivität vor, attackierte den Geldgeber Mateschitz, und einige Damen und Herren der allseits bekannten, üblichen verdächtigen Twitteria-Blase waren sich tatsächlich nicht zu blöd, das Ende einer „Nazi-Propaganda-Maschine“ zu feiern. Dümmer geht es nicht mehr.

Genügend Leser und Brancheninsider hoffen nach wie vor, daß sich das Blatt noch einmal wendet und diese Rechercheplattform doch noch weiter macht. Schließlich stirbt die Hoffnung ja zuletzt.
Warum ADDENDUM so unbeschreiblich wichtig für den österreichischen Medienmarkt ist, kann man auch daran ablesen, daß immer mehr Journalisten nicht nur Daten und Fakten über die Hilfestellung von ADDENDUM fanden, sondern auf diese Weise fundierte Berichte in die Welt trugen.
ADDENDUM hat eine Aufgabe wahrgenommen und hervorragend erfüllt, die eigentlich die Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wäre, aber von diesem nicht wahrgenommen wird.
Als dümmstes und ekelerregendstes Beispiel für die Niveaulosigkeit deutschsprachiger öffentlich-rechtlicher Sender sei die Aussage eines Deutschlandfunk-Korrespondenten genannt, der – noch bevor man von den Ursachen der gestern in Beirut erfolgten Explosion bescheid wußte – den Staat Israel als Urheber in Betracht zog. Diese Form, antisemitisch gerülpster Mutmassungen, darf man sich zwangsgebührenfinanziert gefallen lassen.
Als bestes Beispiel für die Notwendigkeit großartiger journalistischer Leistungen in der Preisklasse von ADDENDUM verweisen wir auf die jüngste Enthüllung der Rechercheplattform, bei der sie die Vergabe von Aufträgen in Höhe von rund 1,5 Milliarden ohne parlamentarische Kontrolle, ohne öffentliche Einsicht, durch die Bundesregierung aufdeckten. Der Link dazu.


Links ein Aufnahmewagen des DLF – Deutschlandfunks, rechts das ORF-Sendezentrum am Küniglberg.

Auch wenn ein Funken Hoffnung noch glüht, sagen wir nicht nur Adieu zu ADDENDUM, sondern Adieu zu einer Institution der journalistischen Qualität, die in den wenigen Jahren ihres Bestehens sehr viel bewegte.



Bilder:
Dietrich Mateschitz (Portrait/Collage) © wikimedia / Danor Shtruzman / cc by-sa 4.0
Michael Fleischhacker © flickr / Figlhaus Wien Akademie für Dialog und Evangelisation
/ cc by-sa 2.0
DLF-Übertragungswagen © wikimedia / Jocian / cc by-sa 3.0
ORF-Zentrum Küniglberg © wikimedia / Thomas Ledl / cc by-sa 3.0 at

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