USA – A Nation Under Guns

Die Vereinigten Staaten von Amerika haben weltweit die größte Dichte an Schußwaffen gemessen an der Einwohnerzahl. – Ca. 9 Waffen auf 10 Einwohner.
Ein Phänomen, das vielen Menschen in Europa unverständlich erscheint. Und wenn wieder von Nachrichten über Amokläufe, Schießereien mit Toten, oder einfach nur tragische Unfälle im Gebrauch mit Schußwaffen berichtet wird, spart man auf unserer Seite des Atlantiks nicht mit Kritik. Eine Kritik, die sicherlich gut gemeint, aber meist unpassend, anmaßend und unangebracht ist.



Das erste Gerücht und Vorurteil, mit dem wir aufräumen, ist der immer wieder eingesetzte Halbsatz „… Waffenrecht in den USA…“: Das gibt es nämlich nicht. Jeder Staat, jeder Bezirk, ja jede Stadt, kann im Rahmen der gültigen Gesetze das Waffenrecht ausgestalten, erschweren oder auch lockern.
Grundlage dafür ist der zweite Verfassungszusatz, der es jedem Bürger erlaubt eine Waffe zu besitzen und zu tragen. Der Hintergrund dazu ist in der Zeit der Gründung der USA, als sich die damaligen Kolonien von der Weltmacht Großbritannien lossagten, zu suchen. Die USA waren eine junge Nation, von ihren ehemaligen Kolonialherren als Rebellen und Abtrünnige abgetan, ohne große eigene Armee, ohne großem militärischen Potential zur Selbstverteidigung. Dieser junge Staat war auf den Verteidigungswillen und die Eigeninitiative seiner Bürger angewiesen. Die Bewohner der Union wurden von der ultimativen Supermacht der Zeit angegriffen und die Bürger organisierten den Widerstand. Mit diesem Hintergrund ist es auch zu betrachten, daß die Bürger seither auf ihr Recht auf Bewaffnung pochen. Und es ist auch der Gedanke, daß man sich gegen ein Unrecht selbst wehren können sollte.



Kriminalitätsraten auf ein zu lasches Waffenrecht zurückzuführen, ist ebenfalls zu einfach gegriffen. Wir sehen uns das anhand einiger Beispiele an:
Kalifornien hat definitiv eines der strengsten Waffengesetze der USA. Der Erwerb von Schußwaffen ist ähnlich schwer und stark reguliert wie bspw. in Österreich oder Deutschland. Allerdings ist Kalifornien ein Spitzenreiter in den Kriminalitätsstatistiken. Gang-Kriege, Drogen- und Revierkämpfe werden mit Schußwaffen ausgetragen.
Ähnlich ist es in Chicago: In der US-Mordhauptstadt waren Erwerb und Besitz von Waffen bis vor kurzem, als ein Höchstgericht das Totalverbot als verfassungswidrig aufhob, gänzlich untersagt. Nach wie vor sind die Hürden zum Kauf einer Schußwaffe immens hoch. Trotzdem hat die Hauptstadt von Illinois die wenig freundliche Bezeichnung als „Mordhauptstadt“.



Ein Extrem in die andere Richtung ist Kennesaw, eine Stadt mit beinahe gleich vielen Einwohnern wie Bregenz im Bundesstaat Georgia. Hier ist es vorgeschrieben, daß jeder Haushalt bewaffnet zu sein hat. Und die Menschen in Kennesaw sind es tatsächlich. „Es ist besser, eine Waffe zu haben und nicht zu brauchen, als eine Waffe zu brauchen und keine zu haben.“, hört man oft, wenn man nach dem Grund für die Pflichtbewaffnung der Stadt frägt. Klingt nachvollziehbar, und ist es auch. Kennesaw hat eine der niedrigsten Kriminalitätsraten des gesamten Landes.



Ein wirklich tragfähiger Zusammenhang zwischen dem Zugang zu Schußwaffen und Kriminalität läßt sich nicht herstellen. Eher zwischen den gesamtgesellschaftlichen Problemen der Armut, der Arbeitslosigkeit und der Perspektivlosigkeit der Menschen in einzelnen Gegenden der USA. Die stark sinkenden Arbeitslosenraten lassen dort auch die Gewalt-, Drogen- und Eigentumskriminalität sinken.

Kurios wirken auf uns in Europa auch Vorschriften, die das offene Tragen von Waffen vorschreiben. Dabei unterliegen wir hier wohl einer kompletten Fehleinschätzung der Situation. Man schreibt dem Träger vor, seine Bewaffnung öffentlich zu zeigen. Dies ist eine offenere Art damit umzugehen, als das verdeckte Tragen, das gegebenenfalls auch bei uns erlaubt ist.



In vielen Staaten ist es erlaubt, auch Kinder an Schußwaffen auszubilden und die Eltern nutzen diese Möglichkeit auch. Einerseits wird den Kindern Angst genommen, andererseits auch Respekt vor diesen Gegenständen gelehrt. Man nimmt sie als Werkzeug wahr, das Nutzen bringen oder Schaden anrichten kann.



Es ist ein gewachsener und wahrscheinlich für die jeweiligen Staaten vollkommen passender Umgang mit Waffen, den wir hier in Österreich oder Deutschland manchmal nur schwer nachvollziehen können.
Höchstwahrscheinlich wäre es viel vernünftiger, uns in unseren Urteilen über den Umgang mit Waffen in den USA zurückzuhalten.


Bilder:
Colt Peacemaker Pistol hanging from a Bridgeport Rig © Michaelpugh / cc by-sa 3.0

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