Menschen mit Beeinträchtigung

© VITA Assistenzhunde

Wer sind eigentlich Menschen mit Beeinträchtigung? Statistisch gesehen sind 18,4 % der Österreicher von einer dauerhaften Behinderung betroffen, daneben gibt es jene, die etwa als Folge eines Unfalles vorübergehende Einschränkungen der Mobilität und andere Beeinträchtigungen erfahren. Beide Personengruppen brauchen Rahmenbedingungen, damit die Selbständigkeit so weit wie möglich gewahrt bleibt. Das geht weit über finanzielle Zuwendungen, wie etwas das Pflegegeld, hinaus. Ziel muss es sein, allen Menschen gleichermaßen die Teilnahme am sozialen Leben zu erlauben.

Österreich kommt in dieser Hinsicht eine Vorreiterrolle zu: Schon seit langem wird von der österreichischen Politik auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung Rücksicht genommen. Damit hat man bereits viele der Vorgaben erfüllt, die mit der wegweisenden UN-Behindertenrechtskonvention im Oktober 2008 in Kraft traten. Demnach müssen Menschen mit Behinderung bei der Erarbeitung sie betreffender politischer Konzepte eingebunden werden, was durch entsprechende Interessensvertretungen geschieht. Darüber hinaus beschloss die österreichische Bundesregierung bereits im Jahr 2012 den so genannten Nationalplan Behinderung, der das Programm für die Umsetzung der UN-Konvention auf nationaler Ebene enthält. Ein wichtiges Anliegen betrifft die Barrierefreiheit im öffentlichen Raum, das heißt, den freien Zugang zu öffentlichen Orten, Verkehrsmitteln, etc. Auch im Bereich des Wohnbaus hat sich in dieser Hinsicht einiges getan. Behindertengerechte Planung von Neubauten ist inzwischen eine Selbstverständlichkeit, ältere Wohngebäude werden adaptiert, etwa durch den nachträglichen Einbau von Aufzügen – dies ist besonders für ältere Menschen eine wichtige Maßnahme.

© der-takt.de

2010 wurden zudem Kriterien für eine zeitgemäße Anwendung des Behinderteneinstellungsgesetzes geschaffen. Aber auch auf Länderebene wird einiges getan: In Oberösterreich etwa wurden 2018 über 450 Millionen Euro für Leistungen an Menschen mit Beeinträchtigung ausgegeben. Darunter fallen u. a. betreute Wohneinrichtungen, die Förderung geschützter Arbeitsplätze, oder persönliche Assistenz zur Unterstützung eines selbstbestimmten Lebens. Oberösterreichs Soziallandesrätin Birgit Gerstorfer umreißt ihren politischen Auftrag mit folgenden Worten: „Es muss eine Selbstverständlichkeit sein, dass Menschen mit Beeinträchtigung ein Recht dazu haben, so zu leben, wie die Durchschnittsbürger es in Österreich auch tun, und ihnen dieselben Chancen ermöglicht werden.“

Was man niemals außer Acht lassen darf, ist der Umstand, dass Einschränkungen körperlicher oder psychischer Natur niemals nur eine medizinische Komponente, sondern auch einen wesentlichen sozialen Aspekt beinhalten. Die Einbindung in gesellschaftliche und soziale Strukturen ist deshalb besonders wichtig. Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang auf Vereine und Organisationen, die gerade für Menschen mit Behinderung mannigfache Aktivitäten anbieten, die in der Regel kostenfrei sind. Zu nennen sind etwa die Einrichtungen von ProMente Österreich und die Behindertensportverbände, die dank des persönlichen Engagements ihrer Mitarbeiter trotz einschneidender Sparmaßnahmen der Politik hier einen wesentlichen Beitrag leisten.

© Stein und Anstoss Wikimedia

Eine besondere Rolle kommt auch dem Zivildienst zu. Als Ersatz für den Wehrdienst gedacht, übernimmt der Zivildienst heute eine ganz wichtige Aufgabe im Sozialstaat Österreich. Nicht nur im Krankentransport oder in Altersheimen, sondern eben auch in der Behindertenbetreuung leisten unsere „Zivis“ wertvolle Arbeit. Für den burgenländischen Landeshauptmann-Stellvertreter Johann Tschürz, in dessen Ressort auch der Zivildienst fällt, wäre deshalb auch eine Mindestsicherung für Zivildiener denkbar, um deren Beitrag für das Gemeinwesen auch entsprechend zu honorieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.