Das große Schreddern!

Eckstein, Eckstein, alles muss versteckt sein. 1 – 2 – 3 – ich komme!“

So lautet der bekannte Kinderreim zum Versteckenspiel. Sich selbst oder die eigenen Geheimnisse zu verbergen, zu verstecken, ist ganz normal. – Wenn die Situation paßt. Darum wurden Schatzkarten vergraben und die rosa Tagebücher kleiner Mädchen haben nicht nur ein Einhorn am Einband, sondern oft auch ein Schloß. – Zugriff nur für Berechtigte!
Was aber, wenn Verstecken und Verbergen nicht geht? Na dann wird vernichtet. Während man früher einfach die „geheimen“ Unterlagen verbrannte, wird heute geschreddert.



Und in Zeiten des hochgelobten, hoch gehaltenen und vielen Zeitgenossen schon viel zu hohen Datenschutz wird geschreddert, dass die Reißwölfe nur so heulen und die Schneidewerkzeuge glühen.

Mit zwei Schreddergeschichten wollen wir uns stellvertretend für Millionen km² beschriebenen, beschmierten, oder sonst wie benutztem und doch dann vernichteten Papier beschäftigen. Eine Geschichte liess die Menschen erstaunt hinschauen, die andere entsetzt wegschauen.



Der britische Street-Art-Künstler Banksy stand schon immer mit dem Kunstbetrieb, den großen Händlern und Auktionshäusern auf Kriegsfuß. Einmal verschleuderte er aus Protest seine Werke für jeweils ein paar Dollar in New York an interessierte Laien.
Seinen größten „Coup“ landete er, als er eines seiner Werke bei der Auktion bei Sotheby’s durch einen im Rahmen des Bildes versteckten Schredder laufen ließ. – Nach der Hälfte des Werks (Girl With Balloon) streikte der so raffiniert eingesetzte Aktenvernichter und Banksy schrieb so eine noch viel größere Schlagzeile in der Kunstgeschichte und vervielfachte den Wert des Bildes.



Weniger raffiniert und komplett entwertend war der Gang eines Mitarbeiters des damaligen Minister Blümel zur Fa. Reißwolf am 23.05. des Jahres. Unter falschem Namen ließ er fünf Festplatten schreddern. Auf höchster Sicherheitsstufe, und als ob das nicht genügen würde das Ganze dreimal. – So als ob man eine Riesensemmel erst zu Knödelbrot, dann zu Semmelbrösel und schlussendlich nochmal zu Staub zermahlen ließe. Soweit, so peinlich. Die Geschichte ist ja bekannt.



Weniger bekannt dürfte allerdings sein, daß eigentlich sämtliche Unterlagen der Regierungstätigkeit entweder an die Nachfolgeregierung zu ergehen haben, oder dem Staatsarchiv übergeben werden müßen. Der Historiker und bis Mai 2019 Direktor des österreichischen Staatsarchivs Dr. Wolfgang Maderthaner kritisiert diese Vorgangsweise und hält zurückhaltenderweise Rechtsbrüche für möglich.



So hat das Schreddern zumindest für eine gewisse Geheimhaltung gesorgt. Aber wem nutzte diese Geheimhaltung, wenn man nicht fähig war, sie geheim zu halten?

Bilder
Girl With Balloon © LYDIA and her SALAD-DAYS
© Banksy/Press Association Images/dpa
© whitakerbrothers.com
© Sensible Recycling 2019

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